Einsteiger-Guide
Angelknoten für Anfänger
Diese fünf Knoten reichen für fast jede Situation am Wasser. Schritt für Schritt erklärt, mit Selbstcheck für jeden Knoten.
- 1. Palomarknoten, für Haken, Köder und Wirbel, auch für Geflecht
- 2. Verbesserter Clinchknoten, für Haken und Wirbel bei monofiler Schnur
- 3. Grinner-Knoten, universell, die beste Wahl für Geflecht
- 4. Chirurgenknoten, zum Verbinden zweier unterschiedlich dicker Schnüre
- 5. Rapala-Knoten, freie Schlaufe für Wobbler und Spinner
Warum diese fünf Knoten reichen
Du musst nicht zwanzig Knoten können. Diese fünf decken zusammen fast jede Situation ab, die dir beim Angeln begegnet: Köder oder Haken direkt anbinden (Palomarknoten oder Clinchknoten), das auf geflochtener Schnur zuverlässig tun (Grinner-Knoten), zwei unterschiedlich dicke Schnüre verbinden, etwa Hauptschnur und Vorfach (Chirurgenknoten), und einem Kunstköder eine frei bewegliche Schlaufe geben, damit er natürlicher läuft (Rapala-Knoten).
Ein Hinweis vorab, der für jeden der fünf Knoten gilt: Feuchte den Knoten immer an, bevor du ihn zuziehst, dazu mehr weiter unten. Und zieh nach dem Binden jeden Knoten kräftig von Hand an, bevor du weiterangelst. Rutscht er dabei, bind ihn neu.
1. Palomarknoten
Der Palomarknoten verbindet Schnur mit Haken, Kunstköder oder Wirbel. Sein großer Vorteil für den Einstieg: Du musst dir keine Wicklungszahl merken, und er funktioniert auch auf geflochtener Schnur zuverlässig.
- Leg etwa 20 bis 30 cm Schnur doppelt und führ die Schlaufe durch das Öhr.
- Bind mit der doppelten Schnur einen lockeren, einfachen Überhandknoten, der Haken hängt dabei unten. Noch nicht zuziehen.
- Halt den Überhandknoten locker zwischen zwei Fingern, führ die Schlaufe über den kompletten Haken und schieb sie anschließend über das Öhr nach oben.
- Feuchte den Knoten an und zieh gleichzeitig an Schnur und Schlaufenende, bis alles kompakt zusammensitzt. Überstehendes Ende auf ca. 2 bis 3 mm kürzen.
So merkst du, dass es passt
Die Schlaufe darf nicht an der Unterseite des Hakenöhrs anliegen, sonst hält der Knoten nicht sicher. Zieh nach dem Binden kräftig von Hand: Alle Teile müssen sich als eine kompakte Einheit zusammenziehen, nicht als zwei getrennte Klumpen.
Häufigster Fehler: den Knoten zuziehen, bevor die Schlaufe wirklich komplett über dem Öhr sitzt. Grenze: Bei sehr großen Kunstködern mit mehreren Haken lässt sich der Köder oft nicht mehr durch die Schlaufe fädeln, dann eignet sich einer der anderen Knoten besser.
2. Verbesserter Clinchknoten
Der verbesserte Clinchknoten ist die klassische Alternative zum Palomarknoten für monofile und Fluorocarbon-Schnur. Für geflochtene Schnur eignet er sich nicht gut, dazu mehr im Abschnitt zu den Schnurmaterialien weiter unten.
- Führ die Schnur durch das Öhr.
- Wickle das Ende mehrfach um die Hauptschnur (Wicklungszahl siehe Tabelle unten).
- Führ das Ende zurück durch die erste Schlaufe direkt hinter dem Öhr, dann noch einmal durch die dadurch entstandene große Schlaufe. Genau dieser zweite Durchzug macht aus dem einfachen den „verbesserten“ Clinchknoten.
- Feuchte den Knoten an, zieh am Ende gleichmäßig zu, bis die Wicklungen sich dicht an das Öhr schieben. Überstehendes Ende auf ca. 2 bis 3 mm kürzen.
Wie viele Wicklungen sinnvoll sind, hängt vom Schnurdurchmesser ab, eine feste Zahl für jede Schnur gibt es nicht:
| Schnurdurchmesser | Wicklungen (Orientierung) |
|---|---|
| 0,10–0,20 mm | 6–7 |
| 0,21–0,35 mm | 5–6 |
| 0,36–0,60 mm | 4–5 |
| über 0,60 mm | 3–4 |
Grund für die abnehmende Zahl: Dickere Schnur ist steifer, zu viele Wicklungen setzen sich dann nicht mehr sauber. Bei sehr kräftiger Schnur, etwa über 25 bis 30 Pfund Tragkraft, wird der Clinchknoten insgesamt schwieriger sauber zu binden, dann lohnt sich ein anderer Knoten aus dieser Liste.
So merkst du, dass es passt
Die Wicklungen müssen sauber nebeneinanderliegen wie eine gleichmäßige Spirale, nicht überkreuzt oder ineinander verdreht. Der fertige Knoten sitzt direkt am Öhr, nicht ein paar Millimeter davon entfernt.
3. Grinner-Knoten
Der Grinner-Knoten, auch Uni-Knoten genannt, ist universell einsetzbar und die gängige Wahl für geflochtene Schnur, weil er auch auf sehr glatter Schnur zuverlässig hält.
- Führ die Schnur durch das Öhr und leg sie parallel zur Hauptschnur zurück.
- Leg das Ende als Schlaufe über die doppelte Schnur.
- Wickle das Ende mehrfach um die doppelte Schnur und durch die eigene Schlaufe (Wicklungszahl siehe unten).
- Feuchte den Knoten an, zieh zuerst am Ende, bis sich die Wicklungen zu einer festen Tonne formen, dann an der Hauptschnur, bis der Knoten zum Öhr rutscht. Überstehendes Ende auf ca. 2 bis 3 mm kürzen.
Bei monofiler Schnur reichen etwa 5 bis 6 Wicklungen. Bei geflochtener Schnur brauchst du deutlich mehr, etwa 7 bis 8, bei sehr dünnem Geflecht auch bis zu 10, weil die glatte Oberfläche sonst weniger Reibung hat und der Knoten durchrutschen kann.
So merkst du, dass es passt
Die Wicklungen bilden eine saubere, geschlossene Tonne, in der nichts übereinanderliegt. Ziehst du kräftig von Hand daran, darf sich die Tonne nicht öffnen oder verrutschen.
Häufigster Fehler laut mehreren Quellen: zu wenige Wicklungen, besonders auf Geflecht. Im Zweifel eine Wicklung mehr als zu wenig.
4. Chirurgenknoten
Der Chirurgenknoten verbindet zwei Schnüre miteinander, egal ob sie unterschiedlich dick sind oder aus unterschiedlichem Material bestehen, etwa Hauptschnur und Vorfach. Damit ist er die richtige Wahl, wenn sich die Durchmesser der beiden Schnüre deutlich unterscheiden.
- Leg die beiden Schnurenden nebeneinander, überlappend und in entgegengesetzte Richtungen zeigend.
- Bild aus beiden Strängen zusammen, als wären sie eine einzige Schnur, eine einfache Schlaufe.
- Führ beide Enden gemeinsam komplett durch diese Schlaufe. Zweimal für den normalen Chirurgenknoten, dreimal, wenn sich die Durchmesser der beiden Schnüre stark unterscheiden.
- Feuchte den Knoten an und zieh an allen vier Enden gleichzeitig und gleichmäßig, bis er sich zu einem kompakten Knoten zusammenzieht. Beide überstehenden Enden kürzen.
So merkst du, dass es passt
Der fertige Knoten ist ein kurzer, kompakter Klumpen, keine lockere Verschlingung. Beide überstehenden Enden zeigen auf entgegengesetzten Seiten aus dem Knoten heraus. Zeigt ein Ende schräg heraus statt sauber im Knoten zu liegen, hast du beim Zuziehen nicht alle vier Enden gleichmäßig belastet, neu binden.
5. Rapala-Knoten
Der Rapala-Knoten ist von den fünf Knoten hier der anspruchsvollste in Textform, aber auch der einzige, der dem Köder eine wirklich frei bewegliche Schlaufe statt einer festen Verbindung gibt. Das lässt vor allem Wobbler und Spinner natürlicher schwimmen. Nimm dir für diesen Knoten beim ersten Üben etwas mehr Zeit als für die anderen vier.
- Bind, etwa 10 cm vor dem Schnurende, einen lockeren, offenen Überhandknoten in die Hauptschnur. Noch nicht zuziehen, er muss offen bleiben.
- Führ das Schnurende durch das Öhr des Köders.
- Führ das Ende zurück durch genau diesen offenen Überhandknoten von Schritt 1.
- Wickle das Ende 3- bis 5-mal um die Hauptschnur, je nach Schnurstärke.
- Führ das Ende noch einmal durch den Überhandknoten, diesmal von der Köderseite kommend, in dieselbe Öffnung, aus der es in Schritt 3 herauskam. Das ist der Schritt, bei dem die meisten Anfänger die Orientierung verlieren, geh ihn notfalls zweimal langsam durch.
- Dann durch die dabei entstandene Schlaufe führen.
- Feuchte den Knoten an und zieh vorsichtig an beiden Enden zusammen, bis eine Schlaufe von etwa 2 bis 3 cm übrig bleibt, die sich nicht mehr weiter schließt. Überstehendes Ende auf ca. 5 mm kürzen.
So merkst du, dass es passt
Schüttel die Schnur leicht: Der Köder muss sich frei in der Schlaufe bewegen können, die Schlaufe selbst darf sich dabei aber nicht von selbst schließen. Der Knoten am Übergang zur Hauptschnur sitzt dabei fest und kompakt.
Der Rapala-Knoten eignet sich vor allem für monofile Schnur und Fluorocarbon. Für geflochtene Schnur ist er in den Quellen umstritten, manche empfehlen ihn dort, andere raten davon ab. Nimm im Zweifel auf Geflecht lieber den Grinner-Knoten.
Vor dem Zuziehen anfeuchten
Bei jedem der fünf Knoten oben steht derselbe Schritt: anfeuchten, bevor du zuziehst. Das ist keine Nebensache. Feuchte Schnur gleitet beim Zuziehen sauber in ihre Endposition, statt sich zu verkanten, das kannst du direkt beim Binden sehen und fühlen.
Häufig wird zusätzlich genannt, dass trockenes Zuziehen durch Reibungswärme die Schnur schwächt, besonders bei monofiler Schnur. Dieser zweite Punkt ist in der Praxis weit verbreitete Empfehlung, für eine belastbare Messung dazu haben wir aber keine Quelle gefunden. Unabhängig davon gilt: Anfeuchten kostet eine Sekunde, mit Wasser oder Speichel, und schadet nie.
Mono, Fluorocarbon, Geflecht: worauf es ankommt
Geflochtene Schnur ist glatt und dehnt sich kaum, deshalb rutschen Knoten dort leichter durch als bei monofiler Schnur. Für Geflecht eignen sich Palomarknoten und Grinner-Knoten am besten, der Clinchknoten dagegen wird für Geflecht nicht empfohlen.
Fluorocarbon ist steifer als monofile Schnur und verzeiht dadurch beim Knoten weniger. Feuchte Fluorocarbon-Knoten besonders sorgfältig an und rechne eher mit etwas weniger Wicklungen als bei vergleichbar dicker monofiler Schnur.
Quellen
Angaben zu Bindeschritten, Wicklungszahlen und Materialeigenschaften fassen öffentlich zugängliche Informationen unter anderem von BLINKER, DR. CATCH, Fishing-King und dem internationalen Knotenportal NetKnots zusammen. Zu genauen Tragkraft-Prozentwerten je Knoten gibt es widersprüchliche Angaben ohne belastbare Methodik, deshalb verzichtet diese Seite bewusst auf eine feste Rangliste.
Häufige Fragen
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